Das Vorgesetztenmodell – Beispiele aus der Praxis #1

In einem unserer letzten Artikel: Das Vorgesetztenmodell haben wir die Vor- und Nachteile des zuvor genannten Modells erläutert. Weiterhin sind wird darauf eingegangen warum dieses Modell in Verbindung mit dem klassischen Ideenmanagement eine ideale Lösung für Unternehmen ist um das IDM im eigenen Betrieb voranzutreiben.

Nachfolgend möchten wir nun ein paar Beispiele aus der Praxis aufführen, wie das Vorgesetztenmodell im betrieblichen Alltag umgesetzt werden kann oder eben bereits umgesetzt wird. Gerade in größeren Unternehmen wie Audi, BMW, Daimler, Deutsche Bank, Opel und auch Volkswagen setzt man auf die dezentrale Bearbeitung eingereichter Verbesserungsvorschläge durch den Vorgesetzten.

Die Informationen zu den nachfolgenden Beispielen stammen aus dem Buch: Ideenmanagement – Mitarbeitervorschläge als Schlüssel zum Erfolg: Praxisbeispiele für das Vorschlagswesen der Zukunft von Rosemarie Fiedler-Winter, ergänzt um aktuelle Daten aus offiziellen Quellen.

Aufgrund der Länge des ursprünglichen Beitrages haben wir diesen auf zwei Beiträge gesplittet. Hier folgen nun Beispiele für das Vorgesetztenmodell bei der Audi AG, BMW Group und der Daimler AG. Im zweiten Beitrag gibt es Beispiel von der Deutschen Bank AG, Adam Opel GmbH und der Volkswagen AG.
Audi AG Vorgesetztenmodell

Audi AG – Das Vorgesetztenmodell in der Praxis

Im Hause der Audi AG wird auf einen Blick ersichtlich warum man auf das Vorgesetztenmodell setzt, dort verfolgt man den Grundsatz “Jede Idee ist gut”. Somit sind die Mitarbeiter angehalten nicht nur große Verbesserungen mit hohen Einsparungen vorzubringen, sondern auch die vielen kleinen Vorschläge mit geringeren Einsparungen. Man kann sich also denken, dass hier einiges an Ideen und Verbesserungsvorschlägen aufschlägt.

Gerade dadurch, dass die Mitarbeiter die Ideen direkt beim Vorgesetzten einreichen können und dieser die Vorschläge bei einer positiven Bewertung sofort realisieren kann, vermindert sich die Bearbeitungszeit erheblich. Auch hat das Unternehmen dadurch die Möglichkeit das Potential aus den Vorschlägen der Mitarbeiter zeitnah zu nutzen. Nach der Umsetzung, an welcher die Ideeneinreicher unmittelbar teilhaben, werden die konkreten Vorteile ermittelt und daraufhin die Prämie für den oder die Mitarbeiter festgelegt. Der Vorgesetzte hat in seinem Bereich für nicht berechenbare Ideen eine Prämienkompetenz bis zu 500,00€.1

Im Jahr 2012 wurden bei Audi mehr als 28.000 Ideen von 21.424 Mitarbeitern eingereicht, welche für das Unternehmen zu Ersparnissen von 71 Millionen Euro führten. Ein absolutes Rekordjahr für Audi und diese Leistung wird nicht nur Unternehmensintern anerkannt, auch branchenübergreifend findet diese eine hohe Anerkennung. Das Deutsche Institut für Betriebswirtschaft hat das Audi-Ideenprogramm bereits zum achten Mal zum Besten in der Automobilbranche gekürt.

Die Audi AG ist sich allerdings auch bewusst, dass damit die Ideen sprudeln können auch eine gewisse Wertschätzung für die Kreativität der Mitarbeiter gegeben sein muss. Engagierte Mitarbeiter erhalten eine Prämie, die sich nach dem Nutzen der jeweiligen Idee richtet und bis zu maximal 60.000 Euro betragen kann. Neben den Ideeneinreichern erhalten auch die Gutachter, Vorgesetzten und Ideenkoordinatoren eine Auszeichnung. Denn Ideenmanagement ist in den Augen von Audi Teamarbeit.2
BMW Group Vorgesetztenmodell

BMW Group – Beispiel für den praktischen Einsatz des Vorgesetztenmodells

Dem Ideenmanagement im Hause der BMW Group wird viel Bedeutung zugemessen, dies lässt sich daran erkennen, dass es eine eigene Webseite im Intranet der BMW Group hat. Über dieses System werden die Verbesserungsvorschläge erfasst und verwaltet. Als Einreicher hat man die Möglichkeit, seine Idee direkt einzugeben oder über einen Prozessverantwortlichen eingeben zu lassen.

Das erste noch konventionell zentral organisierte Verbesserungswesen entstand bereits im Jahr 1974. Fast 20 Jahre später wurde das Verbesserungswesen 1993 dezentralisiert und an die Vorgesetzten übergeben. Die Vorgesetzten tragen hierbei auch die Prozessverantwortung, weshalb das Prinzip als Vorgesetztenmodell bezeichnet wird. Als durchschnittliche Bearbeitungszeit geht man von zirka 3,6 Monaten aus. In diesem Zeitraum sind dann aber auch über 10.000 Vorschläge durch die Vorgesetzten zu begutachten.3

In dem Artikel Ideenmanagement: Der 20-Gramm Brief, aus der Zeit vom 03.02.2010 von Thomas Röbke, erhält man weitere Informationen rund um das Ideenmanagement der BMW Group. So erfährt man, dass über 42.000 Ideen, davon 24.000 aus Deutschland, im betrieblichen Vorschlagswesen eingehen. Weltweit hat der Konzern dadurch Kostenersparnisse von 65 Millionen Euro, davon 42 Millionen in Deutschland, so zumindest die Aussage von Johann Lengl, Leiter des Ideenmanagements, im Artikel. Dabei unterhalten alle BMW-Standorte eigene Ideenmanager, speziell geschulte Mitarbeiter die in der Lage sind sinnvolle Ideen zu erkennen.4
Daimler AG Vorgesetztenmodell

Daimler AG – Hybrid aus Vorgesetzten- und Kommissionsmodell

“Seit über 50 Jahren lädt Mercedes-Benz seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, sich Gedanken zu machen, wie die Abläufe in den Werken verbessert werden können, wie sich Unfallgefahren vermeiden oder Kosten senken lassen.”5 Dabei setzt man im Haus der Daimler AG auf einen Hybrid aus Vorgesetzten- und Kommissionsmodell. Bis zu einer Prämienhöhe von 250,00€ kann der Vorgesetzte direkt und ohne Weg über die BVW-Kommission entscheiden ob der Vorschlag umgesetzt wird oder nicht. Eine Vielzahl der eingereichten Ideen müssen zunächst in den Entwicklungs- und Versuchsabteilungen erprobt werden, daher beträgt die durchschnittliche Bearbeitungszeit zirka fünf Monate.6

Die aktuellsten Zahlen aus dem Ideenmanagement der Daimler AG stammen aus dem Jahr 2008. Zum damaligen Zeitpunkt haben insgesamt rund 93.000 eingereichte Vorschläge, von welchen rund 40.000 umgesetzt wurden, zu Einsparungen für das Unternehmen in Höhe von 108,8 Millionen Euro geführt. Die Daimler AG schüttete für diese Einsparungen Prämien mit einer Gesamtsumme von 30 Millionen Euro an die Mitarbeiter aus. Im Vergleich zu 2007 hatte man sich von einer Einsparungssumme von 91,5 Millionen Euro und einer Prämiensumme von 23,7 Millionen Euro nochmals deutlich gesteigert.7

  1. Vgl. Fiedler-Winter, Rosemarie (2001), S. 86. f. []
  2. Vgl. Bentz-Hoelzl, Janine (2013), Wie Mitarbeiter mit ihren Ideen punkten – Stand: 16.04.2013 []
  3. Vgl. Fiedler-Winter, Rosemarie (2001), S. 120. f. []
  4. Vgl. Röbke, Thomas (2010), Ideenmanagement: Der 20-Gramm Brief – Stand: 29.04.2013 []
  5. Daimler AG (2010), Auszeichnung für kreative Mitarbeiter im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen: Der Verbesserungsvorschlag des Jahres spart Leerfahrten in der Materialversorgung – Stand: 29.04.2013 []
  6. Vgl. Fiedler-Winter, Rosemarie (2001), S. 142. f. []
  7. Vgl. Deppe, Philipp (2009), Ideenmanagement im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen: Auszeichnung für kreative Mitarbeiter – Stand: 29.04.2013 []