Das Vorgesetztenmodell – Beispiele aus der Praxis #2

In unserem Artikel: Das Vorgesetztenmodell – Beispiele aus der Praxis #1, haben wir bereits Beispiele zur praktischen Umsetzung des Vorgesetztenmodells in den Unternehmen Audi AG, BMW Group und Daimler AG aufgeführt. Im heutigen Artikel betrachten wir das Ideenmanagement der Unternehmen Deutsche Bank AG, Adam Opel GmbH und Volkswagen AG und deren Umgang mit dem Vorgesetztenmodell.

Auch im aktuellen Artikel stammen wieder eine Vielzahl der Informationen aus dem Buch: Ideenmanagement – Mitarbeitervorschläge als Schlüssel zum Erfolg: Praxisbeispiele für das Vorschlagswesen der Zukunft von Rosemarie Fiedler-Winter, ergänzt um aktuelle Daten aus offiziellen Quellen.

Deutsche_Bank AG Vorgesetztenmodell

Deutsche Bank AG – Fortschritt durch Dezentralisierung

Die Deutsche Bank AG setzt auf eine dezentralisierte Variante des Ideenmanagements, welches immer weiter ausgebaut werden soll. Hier hat der Ideen-Einreicher die Möglichkeit seinen Vorschlag über das Intranet abzugeben, Der Vorgesetzte prüft den Vorschlag und kann ihn, falls dieser in seinen Bereich fällt und positiv aufgenommen wird direkt prämieren. Sollte der Vorschlag nicht in seinen Bereich fallen, leitet er diesen an eine zentrale Stelle weiter, welche den Vorschlag durch ein entsprechendes Team aus Fachkräften bewerten lässt. Der Bearbeitungszeitraum variiert hierbei je nach Vorschlag, so kann dieser nur eine Woche (einfacher Vorschlag) betragen, aber auch bis zu einem Jahr (umfangreicher Vorschlag).

Die Deutsche Bank AG legt großen Wert darauf, dass wenn ein Vorschlag abgelehnt werden muss, diese dem Einreicher die Gründe dafür klar und deutlich mitteilen. Damit möchte man dem Einreicher den Mut machen, es demnächst wieder mit einem Vorschlag zu versuchen, der das Unternehmen dann vielleicht wirklich ein Stück weiterbringt. Der Großteil der Vorschläge wird bereits durch die Vorgesetzten bearbeitet. Fachabteilungen entscheiden nur noch über Vorschlägen, die für eine unternehmensweite Einführung geeignet sind.1

Adam Opel GmbH Vorgesetztenmodell

Adam Opel GmbH – Hybrid aus klassischem und Vorgesetztenmodell

Zum Vorschlagswesen der Adam Opel GmbH konnten wir leider nicht allzu viele Informationen finden, dass was wir gefunden haben möchten wir dennoch mit Ihnen teilen. Im Jahr 1994 wurde bei der Adam Opel GmbH das dezentralisierte Betriebliche Vorschlagswesen eingeführt. Seither haben die Mitarbeiter die Möglichkeit ihre Verbesserungsvorschläge und Ideen direkt bei ihrem Vorgesetzten einzureichen. Ähnlich wie bei der Deutschen Bank AG, kann der Vorgesetzte für seinen Bereich selbst entscheiden, betrifft die Idee einen anderen Bereich kann er diese weiterleiten. Ablehnungen und Annahmen werden auch hier persönlich mit dem Einreicher besprochen.

Im Jahr 2000 erreichte man bei der Adam Opel GmbH Gesamteinsparungen in Höhe von knapp 65 Millionen Euro, über die Prämienhöhe ist leider nichts bekannt. Die Höhe der Einsparungssumme ist nicht verwunderlich, bedenkt man, dass in den neunziger Jahren mehr als zwei Vorschläge auf ein Belegschaftsmitglied kamen, da insgesamt mehr als 87.000 Vorschläge eingegangen sind.2

Volkswagen AG Vorgesetztenmodell

Volkswagen AG – Der Vorgesetzte als Dreh- und Angelpunkt des Ideenmanagements

Das Jahr 2000 war das erste Jahr in welchem Mitarbeiter ihre Vorschläge direkt bei ihrem Vorgesetzten einreichen konnten. Dabei konnte eine deutlich steigende Tendenz, Verdopplung gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum, bei Eingang der Verbesserungsvorschläge verzeichnet werden. Der Vorgesetzte entscheidet kurzfristig über den weiteren Weg der eingereichten Idee, ob sie zum eigenen Verantwortungs- oder Organisationsbereich gehört oder darüber hinaus Bedeutung hat. Bis zu einer Prämienhöhe von 250,00€ kann der Vorgesetzte Vorschläge autorisieren und prämieren.

Bei der Volkswagen AG besteht außerdem die Möglichkeit, sich die Prämie als Zeitwertpapier gutschreiben zu lassen, um ihn für spätere Zwecke (zur Verkürzung der Lebensarbeitszeit) verfügbar zu haben. Für den Zeitraum von 1949 bis 2000 wird von zirka einer Millionen eingereichter Vorschläge ausgegangen, aus denen Einsparungen von 1,09 Milliarden Euro hervorgegangen sind und für die Prämien in Höhe von 230 Millionen Euro ausbezahlt wurden.3

Im vergangenen Jahr wurden über 60.000 Verbesserungsideen eingereicht, aus diesen Mitarbeiterideen ergaben sich Einsparungen von 118,9 Millionen Euro – gut 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Volkswagen AG versteht es das Instrument des Ideenmanagements effektiv zu nutzen und dadurch Prozesse im Unternehmen zu optimieren. Der Betriebsrat Klaus Schneck fasst die Vorzüge des Ideenmanagement für das Unternehmen gekonnt in einem Satz zusammen: “Die Volkswagen Belegschaft leistet mit ihren Verbesserungsideen wesentliche Beiträge zur Beschäftigungssicherung sowie zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.“4

  1. Vgl. Fiedler-Winter, Rosemarie (2001), S. 158. f. []
  2. Vgl. Fiedler-Winter, Rosemarie (2001), S. 248. f. []
  3. Vgl. Fiedler-Winter, Rosemarie (2001), S. 302. f. []
  4. Vgl. Volkswagen AG (2013), Volkswagen Ideenmanagement 2012 mit Rekordbilanz – Stand: 29.04.2013 []